20.11.2011 |
18:28 | Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)
Der Ton der US-Diplomatie gegenüber Peking hat sich
verschärft. Ökonomisch, militärisch und geostrategisch stellen Obama und
Außenministerin Clinton die Weichen für ein "pazifisches Zeitalter"
der USA.
Washington. Bei seiner
Rückkehr nach Washington erwarteten Barack Obama das gewohnte innenpolitische
Gezeter, die Wahlkampfpolemik der Republikaner und das Patt des
Kongress-Superkomitees in der Spardebatte. Außenpolitisch war der neuntägige
Pazifik-Trip des Präsidenten nach Hawaii, Australien und Bali indes ein voller
Erfolg. Ökonomisch, militärisch und geostrategisch stellte er zusammen mit
Außenministerin Hillary Clinton die Weichen für ein „pazifisches Zeitalter“ der
USA, wie dies die beiden ein ums andere Mal postulierten – von Honolulu über
Canberra bis Manila.
Militärpräsenz in Australien
Dass Chinas
Premier Wen Jiabao beim Ostasien-Gipfel auf Bali um ein Zwiegespräch mit Obama
bat, markiert eine neue Phase im Spannungsverhältnis der beiden Staaten. Noch
im Vorjahr hat der chinesische Außenminister in Hanoi den Saal bei einem
ähnlichen Treffen erzürnt verlassen. Peking hat die Zeichen der Zeit
verstanden, deren Konturen in der vergangenen Woche deutlich sichtbar wurden.
An allen Fronten hat Washington seinem größten Gläubiger den Kampf angesagt,
und China fühlt sich in der Flügelzange der USA – eingekreist, geradezu
umzingelt von US-Alliierten von Japan über die Philippinen und Australien bis
hin zu Indien. Selbst zu Burma, dessen Militärjunta die Chinesen als ihre
Satelliten betrachten, haben die USA eine Bresche geschlagen. Clintons Visite
im kommenden Monat muss für China eine Bedrohung signalisieren.
Der Ton der
US-Diplomatie gegenüber Peking hat sich verschärft. China müsse sich an die
Spielregeln halten, mahnte der US-Präsident in Anspielung auf den Währungskonflikt
und den künstlich niedrigen Kurs der chinesischen Währung. In der
philippinischen Hauptstadt Manila erklärte Hillary Clinton, das Südchinesische
Meer sei genauso ein philippinisches Meer. Der Territorialkonflikt um die
Seerechte entzweit China und seine Nachbarn. Die USA streben eine Rolle als
Patronanzmacht im Pazifik an.
Nach der
Auflösung der US-Militärbasen auf den Philippinen hat Washington in Australien
Ersatz gefunden. Darwin an der Nordspitze Australiens wird zum US-Wachposten
ausgebaut. Die Ankündigung Obamas, 2500 US-Soldaten auf dem fünften Kontinent
zu stationieren, kam zwar überraschend, hat aber seine innere Logik. Nach dem
Abzug aus dem Irak und 2014 aus Afghanistan haben die USA wieder Kapazitäten
frei – der Sparkurs im Pentagon werde den Pazifik nicht betreffen, sagte Obama
bei seinem ersten, bereits zwei Mal aufgeschobenen Besuch in Australien.
Washington
werde nach den beiden Kriegen an Euphrat und Tigris und am Hindukusch sein
Augenmerk verstärkt auf die Pazifikregion richten – seit Langem ein
Hoffnungsgebiet für den US-Markt. Obama löst damit auch sein Versprechen beim
Amtsantritt ein, als ein Sohn Hawaiis ein „pazifischer Präsident“ zu werden.
Ökonomische Interessen
Die
militärische Präsenz soll die ökonomischen US-Interessen in Asien absichern.
Eine transpazifische Freihandelszone – unter Einbindung Japans, Mexikos und
Kanadas und der Ägide der USA – ist als klare Konkurrenz zu den chinesischen
Hegemonial-Träumen konzipiert. Die USA wollen China so in die Schranken weisen.
Barack Obama sprach von einer Win-Win-Situation, von der im günstigen Fall
sowohl die USA als auch China profitieren können. Doch er zeigte Peking auch
erstmals ungewohnt aggressiv die Grenzen auf.
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